esperanza para peru

Hoffnung für Peru

Einträge Kommentare


Rundbrief Nr. 4

25 November 2007 (14:52) | Allgemein

Denn wahrlich, ich sage euch, wenn euer Glauben nur so klein ist wie ein Senfkorn,
so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!
So wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein!
La fe mueve Montañas! Mt 17,20

Liebe Freunde, Bekannte, Familie und Rundbriefleser, genau das erleben wir hier in Curahuasi, das der Glaube Berge versetzen kann!
Keiner hat vor einigen Jahren geglaubt, dass dieses Millionenprojekt Wirklichkeit wird. Nun, mehr als zwei Monate nach der offiziellen Einweihung Ende August ist der Krankenhausbetrieb, vorerst mit der Consulta externa, der Ambulanz, angelaufen.

RÜCKBLICK
Nach wochenlanger Vorbereitung standen am Freitag, dem 31.August drei Festtage bevor.
Die Einweihung war ein riesiges Fest mit allen wichtigen Würdenträgern, Großspendern und tausenden von Gästen aus ganz Peru, den USA und aus Deutschland.
Selbst der Gesundheitsminister Perus und die Präsidentengattin als Madrina (Patin des Hospitals), haben sich diesen Tag in ihrem vollen Terminkalender freigehalten, wofür wir und die Bevölkerung unendlich dankbar waren.
Das Pilar Noris in das kleine Dörfchen Curahuasi kam, haben selbst wir Mitarbeiter fast nicht geglaubt, da kurz vorher das schwere Erdbeben hier in Peru die Erde erschüttert hat.
Trotz aller VIP´s und Prominenz standen der Glaube und die Mission des Projektes Diospi-Suyana im Mittelpunkt der Feier, was uns sehr gefreut hat und uns auch sehr wichtig war.
Bewegende Reden wurden von Dr. Klaus John, Pilar Noris, dem Gesundheitsminister, Bürgermeistern und Pastoren gehalten, die uns Mitarbeiter und die Bevölkerung sehr bewegt haben.
Am Samstag danach hatten wir einen Tag der offenen Tür und ein Kinderfest organisiert, was auch allen viel Spaß gemacht hat. Es kamen wieder mehr Besucher als erwartet und wir Mitarbeiter waren auch am zweiten Festtag fix und fertig.
Aber das war noch nicht alles. Am Sonntag feierten wir mit allen umliegenden Gemeinden und Gästen einen Dankgottesdienst. Typisch peruanisch zog sich dieser stundenlang hin, da jede Gemeinde ein Lied oder eine Ansprache beitrug und ein längerer Stromausfall das ganze verzögerte. Müde, aber froh und mit einem Sonnenbrand fielen wir an diesem Abend in unsere Betten. Aber wir wussten dass jetzt die Arbeit erst richtig los geht…

Den September bis Mitte Oktober habe ich in Abancay, der nächst größeren Stadt, in einem Krankenhaus im OP verbracht. Wir haben hier in Curahuasi bisher noch keine OP- Schwester, sodass sich einer von uns Krankenschwestern dieser Sache annehmen musste. Da mich der Bereich OP schon immer interessiert hat, habe ich mich dieser neuen Herausforderung gestellt und mich knapp zwei Monate in die Arbeit einer Instrumentista (OP-Schwester) eingearbeitet.
Neben dem instrumentieren durfte ich sogar kleine Sachen assistieren, schneiden und nähen.
Der OP wird auch in Zukunft mein Hauptarbeitsbereich werden.

AKTUELL
Seit dem 22.Oktober ist die Ambulanz offiziell geöffnet.
Der erste Patient an diesem Morgen, ein alter Mann, der kaum Spanisch sprach, sondern nur Quechua wurde mit einer Rose und einem kleinen Geschenk begrüßt.
Er konnte auch die vier soles für den Arztbesuch nicht ganz bezahlen. „falta un solito mamasita“ – ein Sol fehlt, sagte er. Gerne haben wir ihn auch für drei soles behandelt.

Schon in den ersten Wochen haben wir bewegende und auch tragische Geschichten der Patienten
gehört (Auch wenn ich noch nicht alles verstehe, da viele Patienten nur Quechua sprechen).
Diese bestätigen jedoch, wie notwendig dieses Krankenhaus hier in der Region Curahuasi ist. Für die Menschen, die hier zum Teil in bitterer Armut und Perspektivlosigkeit leben, ist Diospi-Suyana ein Segen, ja ein Geschenk Gottes! Die Menschen kommen von weit her. Oft nehmen sie stundenlange Reisen auf sich, um im neuen Krankenhaus behandelt zu werden.
Für uns Mitarbeiter steht nicht nur eine gute medizinische Versorgung im Vordergrund, sondern auch die Verkündigung der Guten Nachricht. Wir beginnen jeden Tag mit einer kleinen, morgendlichen Andacht in unserer wunderschönen Kirche. Alle Patienten laden wir herzlich dazu ein.

Am 6. November habe ich mit dem Dresdner Chirurg Dr. Hagen Bruder, der für vier Wochen aus Deutschland angereist ist, die allererste Patientin erfolgreich operiert.
Wir haben einen kleinen OP-Saal in einem der Sprechstundenzimmer in der Ambulanz eingerichtet, da die großen bisher noch nicht einsatzfähig sind und auch eine nachstationäre Behandlung aus baulichen und personellen Gründen noch nicht möglich ist.
Die Einrichtung unseres „Mini-OP´s“ erforderte unter den momentanen Umständen durchaus Kreativität.
Unsere OP-Lampe hat uns unser „allround Schreiner“ Burkhard aus einem fünfhundert Watt-Baustrahler, Kabelbinder und einem Infusionsständer gebaut. Klappte prima! Wird mit der Zeit nur etwas warm. Für knappe vierzig Soles, umgerechnet zehn Euro, haben wir ein riesiges Lipom am Rücken entfernt, das die Patientin seit vierzehn Jahren quält. Fröhlich, erleichtert und dankbar trat sie kurz danach mit ihrer Tochter den langen Fußmarsch nach Hause an.

AUSBLICK
Wir hoffen, dass wir nun Stück für Stück eine Abteilung nach der anderen eröffnen können.
Aber leider machen viele kleine Sachen, die noch fehlen und ständige Stromausfälle und Stromschwankungen die Sache nicht viel einfacher. Im Schnitt haben wir alle 8 Minuten eine Stromschwankung oder einen Ausfall, womit die Techniker und Ingeneure zurzeit kämpfen.
Als nächstes ist die Endoskopie und weitere Möglichkeiten für Diagnostik im Labor geplant.
Im Januar soll mindestens ein großer OP bereit sein, da unser Gynäkologe und Urologe dann ihre Sprachschule beenden und endgültig nach Curahuasi kommen.
Wir erwarten weitere Spenden aus Deutschland, die demnächst auf die Reise geschickt werden.
Wie immer könnt ihr alles brandaktuell unter www.diospi-suyana.org nachlesen.
Hier schlägt langsam das Wetter um und die Regenzeit beginnt.
Oft wird man von einem schrecklich lauten Gewitter nachts geweckt (oder von den Ziegen und Schweinen vom Nachbarn :-) ).
Die Landschaft, die die ganzen letzten Monate in ein graubraun gehüllt war, wird nach und nach grüner und die Avocados aus meinem Garten kann ich wohl bald essen.
Auch die Erdbeeren und der Spargel lassen sich sehen…

Liebe Leser,
ich sende euch die herzlichsten Grüße und Gottes Segen aus Curahuasi in das sicherlich recht herbstlich, kühl gewordene Deutschland. Wer den Rundbrief in Zukunft nicht mehr erhalten will, sagt mir kurz bescheid.
Tupananchiskama
Hasta luego
Bis bald
Carolin

Schreibe einen Kommentar