Rundbrief 2
„Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Herrn;
der wird ihm wieder bezahlen, was er gegeben hat.“
Spr. 19,17
Liebe Familie, Freunde, Gemeinde, Unterstützer und Beter,
nun zum zweiten Mal, herzliche Grüße aus dem schönen Cusco!
Mir geht es hier wirklich sehr gut und ich fühle mich wohl.
Ich habe eine kleine Gemeinde gefunden, „Ekklesia“, die von einer Schweizerin ins Leben gerufen wurde.
Sie ist Ärztin und Pastorin und lebt seit siebzehn Jahren in Peru. Ekklesia ist eine der wenigen evangelischen Gemeinden hier in Cusco, denn das Land ist geprägt vom Katholizismus und Spiritismus, was gerade zu Ostern extrem zu spüren war und mir doch alles sehr fremd erschien.
Auch wenn Ostern schon eine Weile her ist, möchte ich euch meine Erlebnisse in diesen Tagen nicht vorenthalten.
Am Montag, den 2. April wurde hier in Cusco die Semana Santa, die heilige Woche mit einem Festumzug eröffnet.
Tausende waren in den Straßen und wollten miterleben, wie der Christo moreno durch die halbe Stadt getragen wurde, gefolgt von Bischöfen, einem Polizeichor und vielen Kindern der katholischen Kirche in weißen Gewändern.
Christo moreno ist eine lebensgroße Jesusfigur, am Kreuz und dieser Jesus ist schwarz. Er stammt wohl aus dem 15. Jhrdt. Keiner konnte mir so richtig erklären, warum er schwarz ist. Einige sagen, er sei aus Leder gefertigt und das habe sich im Laufe der Jahre verfärbt. Andere sagen, die Kerzen haben zu nahe gestanden und deswegen habe er die braune Farbe. Wie auch immer, die ganze Zeremonie hat mich doch sehr an einen Götzendienst erinnert.
Eine andere, mir etwas suspekte Tradition ist, dass die Eltern ihren Kindern die Sünden auspeitschen. Überall in den Straßen konnte man Peitschen in verschiedenen Variationen kaufen. Viele Kinder haben Angst und trauen sich nicht nach Hause. Es ist schon ein bisschen verrückt hier.
Hier in Peru gibt es eine Vielzahl von Heiligen und Gottheiten. Die meisten Heiligen wurden von den Spaniern mitgebracht. Neben diesen sind die bekanntesten peruanischen Santa Rosa de Lima, San Martin de Porres und Sarita Colonia. Auch einen großen Einfluss auf die Götterwelt und die Peruaner haben die Naturgewalten.
Starke Erdbeben erschütterten oft die Küstenstädte und in Jahren, in denen es viel regnet, zerstören huaycos (Erdrutsche) Häuser und Äcker und oft sterben die Menschen. Es gibt nahezu für jede Naturgewalt einen anderen Gott. Für die Sonne, den Mond, für Blitze, für das Wasser, die Berge und für den Regenbogen. Es ist wahnsinnig schwer, in so einem vermischten Glauben das Evangelium weiterzusagen.
Zwar sind die Menschen sehr offen zum Thema Glauben, aber sie wollen ihre alten Riten und mystischen Bräuche nicht ablegen.
Paulus hat gesagt: „Wir sind zur Freiheit berufen, wir sollen uns nicht wieder einfangen lassen. Durch Glauben allein, aus Werken fängt es an, bleibt es und so hat es auch zu bleiben bis zum Ende!“
Ich hoffe, dass wir mit dem Projekt Diospi- Suyana zu den Menschen hier durchdringen können, nicht nur mit der medizinischen Versorgung, sondern sie sich auch von ihren zahlreichen Gottheiten befreien lassen.
Wir, die Missionare, die im Moment in Cusco wohnen, sind dabei, die ersten theoretischen Konzepte für das Krankenhaus zu erarbeiten. Es geht um Pflegestandards, Pflegeplanungen, Erarbeitung von ärztlichen und pflegerischen Dokumentationsmaterial, ein Katastrophenplan, aber auch um wichtige Themen wie und wann, in welchen Bereichen wir das peruanische Personal schulen müssen. Ganz wichtig auch das Thema Schweigepflicht und die Mitarbeiter und Patientenkleidung. Diospi-Suyana hat von Humedica international die komplette Kleidung gespendet bekommen. Sie stammt von der Bundeswehr und besteht deswegen überwiegend aus weißer und blauer Männerkleidung aus dem Jahr 1969. Natürlich sind die deutschen Bundeswehrjungs völlig anders gebaut als ich oder die kleinen Peruaner. Mit der Änderung der Klamotten werden einige Schneiderinnen aus Curahuasi mindestens sechs Wochen beschäftigt sein.
Unsere sieben großen Container aus Deutschland mit sämtlichem Equipment sind wohlbehalten in Curahuasi eingetroffen. Sogar das hochkomplizierte peruanische Zollsystem in Lima haben die Container in weniger als sieben Stunden passiert. Es hätte sein können, das es bis zu einem halben Jahr dauert, da es sich um ausländische Spenden handelt.
Sobald die Fliesen gelegt sind, geht es ans einräumen. Das Einweihungsdatum ist auf den 31. August festgelegt.
Auch mein zukünftiges zu Hause nimmt langsam Gestalt an. Das Bad ist fertig, die Fliesen sind gelegt und die Wände erstrahlen in neuer Farbe. Am 10. Juni werde ich aus Cusco nach Curahuasi ziehen.
Meine letzten zwei Wochen verbringe ich in der Sprachschule mit Spanisch und Quetchuaunterricht. Quetchua ist doch wesentlich schwerer als Spanisch, hat eine völlig verrückte Aussprache und Grammatik.
Ich versuche beides viel zu sprechen, schaue spanische Filme und lese spanische Bücher.
Aber die schönsten Übungen sind doch die praktischen mit den Peruanern. Ich spreche viel mit meiner Gastfamilie und habe mit meiner Professorin ein Krankenhaus und ein Kinderheim besucht. Mich erwarteten zwölf süße kleine Mädchen im Alter von zwei bis dreizehn und ich wurde mit vielen kleinen Küsschen überhäuft. Sie lebten auf der Strasse, kamen aus einem völlig zerrütteten Elternhaus oder die Eltern sind gestorben. Ich habe ihnen bei den Hausaufgaben geholfen, wir haben Lieder gesungen und viel gelacht.
Ich besuche seit einiger Zeit ein Seelsorgeseminar. Die Seelsorge wird in Curahuasi neben der Medizin ganz wichtig sein. Der Kurs ist für mich und mein noch nicht ganz perfektes Spanisch eine große Herausforderung!
Um noch mehr Erfahrungen zu sammeln, werde ich am 18. Juni einen Monat in Ecuador am Missionskrankenhaus Shell arbeiten. Ich habe nach viel hin und her endlich die Zusage bekommen und bin sehr froh das es klappt.
Bei all der Arbeit gönne ich mir aber auch mal eine Pause und war im Fußballstadion
bei einem der wichtigsten Spiele des Südamerikacups.
Für umgerechnet fünf Euro habe ich mitverfolgt, wie in dem vollbesetzten cuscenischen Stadion die argentinische Mannschaft „la Boca“ von Cienciano Cusco gnadenlos geschlagen wurde. Auch das muss man mal erlebt haben.
Neben all den schönen Erlebnissen und erfolgreichen Arbeiten, liegt ein Schatten über meiner Gastfamilie und unumgänglich auch über mir. Der Großvater der Familie, den ich so gerne mag, ist sehr krank geworden. Vor einiger Zeit ist eine ALS diagnostiziert worden. Eine myatrophische Lateralsklerose, eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Kurz gesagt, die Zellen im Rückenmark und die aufsteigenden Bahnen lösen sich auf. Der Körper wird früher oder später völlig lahm gelegt sein. Bei Erwachsenen ist die Erkrankung rasch progredient, schreitet also schnell fort. So gut ich konnte habe ich der Familie erklärt, mit was sie es zu tun haben und hoffe und bete, dass sie die Krankheit annehmen, akzeptieren und damit umgehen können.
Liebe Leser, soweit der aktuelle Stand hier in Cusco.
Noch ein ganz großes Dankeschön an alle, die an mich denken, für mich beten und mich finanziell unterstützen. Ohne euch wäre das alles nicht möglich und ich bin sehr dankbar für alles. Trotzdem sind noch nicht alle monatlichen Kosten durch Spenden gedeckt und ich hoffe, durch Euer und mein Gebet und auch durch die Rundbriefe Menschen erreichen zu können, die Interesse haben, mich regelmäßig zu unterstützen!
Paulus sagt:
„ Setzt deshalb alle Kräfte ein, dass ihr euch darin bewährt, wozu Gott euch berufen hat. Wenn ihr das tut, werdet ihr nicht vom rechten Weg abkommen und die Tür zum ewigen Reich unseres Retters, Jesus unseren Herrn wird dann für euch weit geöffnet sein.“
Gottes Segen und Bewahrung, Carolin aus Cusco


