esperanza para peru

Hoffnung für Peru

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Die letzten Tage in Deutschland und die ersten Tage in Peru

21 Februar 2007 (14:37) | Allgemein

„Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben.“
1.Mose 24,56

Die letzten Tage in Deutschland waren doch spannender und turbolenter als erwartet. Am Donnerstag, eine Woche vor Ausreise brach ich meine Zelte in Marburg entgültig ab. Ein letztes Mal war ich im Uniklinikum und habe meine Kollegen verabschiedet. Der vorletzte Zahnarztbesuch stand noch an und am Abend wollte ich eigentlich pünktlich die Einladung von Frau Prof. Schipanski wahrnehmen, die mich gerne kennen lernen wollte, da sie DS schon lange unterstützt. Dann bekam ich kurzfristig einen Anruf, das ich mein Visum in Offenbach abholen könne. Die Sturmwarnungen im Radio für diesen Tag ließen mich bis dahin noch ziemlich unberührt, bis meine Schwester Judica anrief und sagte, das es in Ilmenau schon recht stürmisch sei und ob ich mir das auch gut überlegt hätte, noch so weit zu fahren. Trotzdem machte ich mich auf den Weg Richtung Offenbach.
Die ganze Sache mit dem Visum dauerte nicht länger als drei Minuten und schon sah´s ich wieder im Auto unterwegs Richtung Ilmenau.
Bis kurz vor Eisenach ging alles gut. Plötzlich stand alles still. Kein Auto bewegte sich mehr. Nachdem ich die nächsten zwei Stunden im Stau verbrachte, leitete die Polizei mich inmitten einer riesigen Autokolonne von der Autobahn runter und ich versuchte auf der Landstraße weiterzukommen.
Die Autobahn war wegen umgekippter LKW´s und dem starken Sturm voll gesperrt, denn der hatte mittlerweile wahnsinnig zugenommen und mir wurde langsam etwas mulmig. Über 70 km lagen noch vor mir und ich hatte es fast geschafft, als zwischen Elgersburg und Ilmenau direkt vor mir ein Baum runterkrachte und einer auf das hinter mir fahrende Auto. Mein Herz rutschte in die Hose. Ich bahnte mir den Weg zurück und probierte über Martinroda durchzukommen. Aber auch diese Strecke war wegen vieler umgekippter Bäume gesperrt. Ich stieg aus dem Auto und rannte zu den Polizisten die sich dort positioniert hatten. Sie sagten ich solle zur Autobahn fahren, eine Ilmenauer Abfahrt sei noch frei. Falsch! Ich kam zwar von der Autobahn runter, aber weiter auch nicht.
Langsam schwanden die Möglichkeiten nach Ilmenau reinzukommen und ebenso mein Optimismus und Mut.
Immer mehr Bundestrassen waren gesperrt, es war stockdunkel, der Regen peitschte und der Sturm war so stark, das ich Schwierigkeiten hatte, das Auto auf der Straße zu halten. Der Termin mit Frau Schipanski war mittlerweile verstrichen. Mit letzter Hoffnung fuhr ich nun noch mal zu einer der Ilmenauer Autobahnabfahrten und dem Herrn sei Dank, die Straße war zumindest von den großen Bäumen befreit. Ich fuhr mit 20 km/h über einen Teppich von Ästen und Zweigen nach Ilmenau und kam völlig erschöpft zu Hause an! Das dies die längste Fahrt von Marburg nach Ilmenau würde, hatte ich nicht erwartet. Als ich am nächsten Tag das Ausmaß der Zerstörung sah, konnte ich kaum glauben, das ich heil da durch gekommen bin.
Aber Gott hat mich bewahrt!
Am Sonntag war der Aussendungsgottesdienst. So etwas hatte ich noch nie erlebt! Nachdem für mich gebetet wurde und ich den Segen der Gemeinde bekam, wurde ich innerlich unheimlich ruhig und entspannt. Es tut gut zu wissen, so eine starke Gemeinde hinter mir zu haben, die an mich denkt, für mich betet und mich in jeglicher Hinsicht voll unterstützt!
Die nächsten Tage verbrachte ich damit, meine Taschen zu packen und zwei davon nach Frankfurt zu bringen und per Fracht vorzuschicken, da dies wesentlich günstiger ist als normal einzuchecken.
Es könnte nur etwas schwierig werden, sie wieder in Lima aus dem Zoll zu bekommen. Danach fuhren ich und meine Mutter ein letztes Mal nach Marburg.
Ich brachte die letzte zahnärztliche Kontrolle hinter mich und, was mir nicht so leicht viel, die Verabschiedung mit meinem Bruder Maxi, der meine Marburger Wohnung übernommen hat und mir damit viel Umzugsstress ersparte. Wir hatten es uns die letzten Monate in Marburg richtig gemütlich gemacht und haben uns so gut verstanden, wie die ganzen letzten Jahre nicht. Er war der Erste, bei dem mir dann doch die Tränen kamen und ich überlegte, ob das auch alles richtig sei was ich mache, denn ich wusste, ich würde ihn furchtbar vermissen.
Das nächste, was noch anstand war, mein geliebtes Auto zu verkaufen.
Aber man muss eben Opfer bringen und bis jetzt vermisse ich es nun doch nicht.:)
Und nun kam der 25.Januar unaufhaltsam näher. Ich geriet wieder etwas in Sorge als die Schneewarnungen im Radio kamen. Wir, meine Eltern und mein Schwesterlein Judica fuhren deswegen Donnerstag früh schon um zwei Uhr los und machten uns auf den Weg nach Frankfurt.
Nachdem ich meine Familie unter Tränen verabschiedet hatte und einen sehr intensiven Sicherheitsscheck über mich ergehen lassen musste, stieg ich in das Flugzeug auf dem Weg ins Ungewisse. Der erste Zwischenstop war Madrid. Ich stieg in den nächsten Flieger.
Nun lag ein dreizehn Stunden Flug um die halbe Welt vor mir.
Mein Bruder Maxi sagte, ich solle spätestens auf halber Strecke nur noch daran denken, was vor mir liegt und nicht an das, was ich gerade alles aufgegeben habe. Ich versuchte es, aber es gelang mir nicht wirklich. Als das Flugzeug startete, las ich die Losung und dort stand ein schöner Spruch von Arno Pötzsch, der mir neuen Mut gab:
„Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.
Wir sind von Gott umgeben, auch hier in Raum und Zeit und werden in ihm leben und sein in Ewigkeit.“ Ich fiel in einen kurzen, unruhigen, traumlosen Schlaf.

Endlich waren wir im Landeanflug auf Lima. Ich war gespannt ob Lyndal, die Australierin wohl schon auf mich wartet. Und so war es auch. Jemand tippte mir von hinten auf die Schulter und ich erkannte ihr nettes Lächeln sofort, welches ich bisher nur von Bildern kannte. Sie schnappte mich und zog mich durch den völlig überfüllten Flughafen nach draußen zu einem Taxi. Schwül warme Luft kam mir entgegen und der Geruch einer Millionenstadt zog durch meine Nase. Wir verstauten mein Gepäck und fuhren ca. eine Stunde durch Lima zu unserer Unterkunft für die nächsten zwei Tage. Der typisch rasante peruanische Fahrstil des Taxifahrers brachte mich zum schmunzeln und ich wusste: Jetzt bin ich in Peru! In unserem Quartier angekommen, begrüßte mich Klaus (Dr. John), der z.Z. auch in Lima ist herzlich. Er hatte Termine im Präsidentenpalast
und mit einem großen Fernsehsender aus Peru, mit dem er verhandelt. Er erzählte mir, das die Einweihung des Krankenhauses auf Anfang August verschoben ist, da der peruanische Präsident unbedingt kommen möchte und eher keine Zeit hat.
Hier in Peru stehen in den kommenden Monaten viele Nationalfeiertage an. Der peruanische Präsident!? Ich war wiedereinmal beeindruckt.
Ich verkroch mich unter die Dusche und schlüpfte in mein Bett und schlief recht schnell ein.
Schließlich war ich fast zwei Tage unterwegs und die Zeitverschiebung von sechs Stunden hing mir in den Knochen. Am nächsten Tag (Freitag, 26.01) ging ich mit Lyndal gleich früh zu Interpol um meine Papiere für die Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen zu beantragen. Ich musste Fingerabdrücke von allen zehn Fingern abgeben und sogar eine kurze zahnärztliche Untersuchung stand an. Ich will doch nur hier arbeiten und nicht in den Knast!

Die Strassen sind gepraegt von tausend minikleiner Taxis und unzaehliger streunender Hunde, aber ich fuehle mich sehr wohl. Liebe Freunde, Gemeinde, Familie, es klappt doch alles besser, als erwartet.
Ich bin sehr dankbar und habe auch kaum Zeit Heimweh zu bekommen.
Ich hoffe weiter auf Gebet und Unterstuetzung zaehlen zu koennen und vielleicht findet sich ja auch noch der ein oder andere regelmaessige Spender, denn noch sind nicht alle monatlichen Kosten gedeckt. Bitte betet mit dafuer!
Gottes Führung zu folgen, kann eine aufregende Erfahrung sein.
Bis bald,
herzliche Grüße aus dem schönen Cuzco!!
Eure Carolin

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